Make a Difference

von Thomas & Elisabeth Fuchs

Wenn wir von unseren Uganda-Projektreisen zurückgekommen sind, wurden wir stets gefragt, wie wir denn nur die Armut, das Elend, die vielen HIV-Infizierten ertragen können. Es war immer schwierig und oft sogar unmöglich, darauf zu antworten. Für uns war das Ankommen in Tirol eigentlich immer die größere Herausforderung. Aber danach fragt eigentlich nie jemand. Als Gegenfrage hätte ich oft gerne geantwortet: „Wie ertragen wir alle eigentlich diesen Überfluss, diesen Konsumrausch, diese Abhängigkeiten, diese Unzufriedenheit, die Depressionen, die Sucht nach immer mehr, die Auswahl von 20 verschiedenen Joghurt-Sorten im Kühlregal…und dem stetigen Gefühl etwas zu versäumen, stets alles optimal zu komprimieren – wie ertragen wir das eigentlich?“

Seit Jahren engagieren sich Elisabeth und Thomas Fuchs mit Herz und Seele für die Entwicklungszusammenarbeit und Bildung in Uganda. Im Sinne von „Hilfe zur Selbsthilfe“ realisierten sie schon unzählige Projekte vor Ort und leisten einen sehr großen Beitrag zur Sensibilisieren der Öffentlichkeit für die Anliegen der jungen Menschen aus Uganda. Hier erzählen sie nun, mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert sind, welche Momente ihnen für immer in Erinnerung bleiben und wofür sie dankbar sind.

 

 

Make a Difference

MAKE A DIFFERENCE – Diese Botschaft erinnert uns stets daran, dass es an uns selbst liegt etwas zu bewirken, etwas zu verändern, etwas so zu gestalten, dass es passt – für dich, für mich, für uns.

Make a difference bedeutet für uns: Aktiv werden zu dürfen, seine eigene Stimme erheben zu können und mutig mit anpacken, wenn es um Ideen und Ziele geht, die uns Menschen gut tun. Sich von anderen zu unterscheiden soll nicht bedeuten, sich zwingend abheben zu müssen, oder gar besser sein zu müssen als andere. „Sich zu unterscheiden“ erinnert uns viel mehr immer daran, dass es wichtig ist, BEI SICH ZU BLEIBEN. Es anders machen zu dürfen, zu können. Make a difference bedeutet im Rahmen unserer ehrenamtlichen Arbeit im Bereich Entwicklungszusammenarbeit vor allem eines: sich selbst und seinen Idealen treu bleiben zu können.

Mit „make a difference“ beziehen wir uns auf das „anders machen“ in der Entwicklungshilfe.
Zu überdenken ist vor allem unsere eigene Einstellung und unsere Erwartung, wenn wir das Bedürfnis haben zu „helfen“. Abzuklären ist auch ob meine Hilfe angenommen wird, ob es eine wertschätzende Art ist, wie ich Hilfe anbiete. Oder schaffe ich mit meiner „Hilfe“ nur neue Abhängigkeiten, oder gar ein Gefühl von Scham und Entwürdigung. Das Bild vom armen, Aids-kranken Analphabeten der in Afrika auf unsere Spende wartet, muss unbedingt aus unseren Bildern gestrichen werden. „Perspektive für Kinder“ will die vielen Talente und die vielen Möglichkeiten dieser Menschen in den Vordergrund stellen. EMPOWERMENT ist unser Ansatz. Viele von den Betroffenen sind so stark vom Schicksal geschüttelt – hinzu kommt der schwache gesundheitliche Zustand. ABER: sie haben Ideen, Wünsche und Begabungen – so wie jeder von uns. Trotz Armut, trotz verwaistem Da-Sein, und trotz HIV-Infektion. Und hier ist unser Ansatz: individuelle Unterstützung so zu recht gelegt, wie sie das Gegenüber gut annehmen kann – und das mit Freude und Würde. Eine stetige Reflexion mit der Frage „Was bewirkt unsere Hilfe? Welche negativen und positiven Gefühle können dabei entstehen?“, ist ein ganz wichtiger Ansatz unserer Arbeit. Einfach „zu helfen“ des „helfens willens“ ist hier viel zu kurzfristig gedacht und eigentlich unverantwortlich.L'AMOTION - movetobelieve

Was wir in Uganda gelernt haben

Von unseren Aufenthalten in Uganda haben wir sehr viel gelernt. Spontan fällt mir ein: Wir haben gelernt langsamer zu gehen, wir haben beten und hoffen gelernt. Wir haben gelernt, wie gut es tut, zwischendurch zu tanzen, zu singen und ein Mittagsschläfchen einzulegen. Wir haben gelernt, wie man unter einem Wellblech-Dach den Regentropfen lauscht – wie aus vorerst scheinbar „nichts“, so viel zu machen ist. Wir haben gelernt DANKBARER zu sein, seither ist mehr ZUFRIEDENHEIT in unserem Alltag eingekehrt – und vielleicht sogar auch mehr innerer FRIEDEN. Wir haben gelernt Vertrauen zu haben – in das Gute im Menschen, VERTRAUEN in das Leben zu haben, denn es meint es gut mit uns. Und wir haben auch gelernt hart zu arbeiten, sich für seine Werte und Vorstellungen einzusetzen. Stets dran zu bleiben und weiter zu machen.

GEMEINSAM den Weg zu gehen

Einen „eigenen“ Verein zu gründen, hat schon ein bisschen Mut gebraucht. Aber in Anbetracht der vielen mutigen Jugendlichen und Kindern, die wir in der Zwischenzeit schon in Uganda kennengelernt haben, die täglich ihren Mut, ihre Beharrlichkeit und ihren Willen im Kampf um das eigene Überleben einsetzten müssen, war es dann schlussendlich ein Leichtes, „Perspektive für Kinder“ ins Zentrale Vereinsregister eintragen zu lassen. Anfangs wurden wir seitens der Familie und von engen Freunden unterstützt. Gemeinsam etwas bewirken ist ein unglaublich tolles Gefühl. Und an dieser Stelle sei auch klar gesagt, dass es auch wirklich nur GEMEINSAM geht. Es braucht eben viele, um vieles zu bewirken.

Dass wir in Wirklichkeit mit wenig auskommen können, dass wir zusammenhalten wenn es drauf ankommt, sich einstimmen können auf andere ist eine große Hilfe bei der Zusammenarbeit mit so vielen verschiedenen Menschen. Wir sind dankbar für unseren langen Atmen, und dass wir Freude beim Organisieren und Arbeiten erleben können. Ja, es macht uns FREUDE. Und sich FREUEN zu können, das ist wohl ein großes Glück und vielleicht auch eine Fähigkeit.

„Es geht, wenn man geht.“ Dieser Satz begleitet uns durch unser Leben. Ein Spaziergang, eine Wanderung, frische Luft und Gespräche. Eine Wanderung zu einer kleinen Kapelle um eine Kerze anzuzünden, helfen uns stets dabei zu sagen und zu glauben: „Es geht, wenn man geht“. Dieser Satz bringt viel Hoffnung mit sich und ist auch gleichzeitig eine Aufforderung aus der bedrückten Situation SELBER etwas zu machen – sprich: eigenverantwortlich handeln zu müssen. Natürlich muss man nicht mit aller „Gewalt“ gleich etwas verändern, kann man ja oft nicht. Aber im GEHEN – sprich in BEWEGUNG – körperlich wie geistig, wird das manchmal Unerträgliche leichter, verlagert sich durch das „GEHEN“ anders und drückt nicht mehr so schwer an nur einer Stelle. Und wir sind dankbar und glücklich, dass wir GEMEINSAM GEHEN dürfen und können.

Momente, die uns für immer in Erinnerung bleiben

Es sind und waren oft die kleinen Momente, die uns stets im Herzen begleiten. Sei es ein herzhaftes, kurzes Lachen von einem schwerstbehinderten Kind, sei es das laute Weinen einer Großmutter, die ihren Enkel beerdigt, sei es der schwungvolle Handschlag eines Jugendlichen, der sich bedankt, dass er wieder zur Schule gehen wird, oder das verlegene Lächeln einer Frau, die mit Stolz und Freude ihr Kunsthandwerk präsentiert. Es sind so viele, kostbare Augenblicke, die bedingt durch die oft gegensätzliche Naturschauspiele gar nicht in Worte zu fassen sind. Fruchtbarer Boden, überall grüne Bananenstauden, sattes Dunkelgrün rund herum und plötzlich – trotz der bunten Stoffe – so viel Graues, Düsteres, Karges und Staubiges um uns. Und dann plötzlich wieder ein schallendes Lachen einer tanzenden Frau, die vor Freude über unseren Besuch beginnt in die Hände zu klatschen und uns mit einer herzlichen Umarmung begrüßt. Ich könnte hier weiter und weiter schreiben.

Familie, Gesundheit und Zusammenhalt

Das Wichtigste ist wohl wirklich die Gesundheit. Gerade als Familie dürfen wir dies ganz intensiv wahrnehmen. Es ist ein Glück und ein Segen sich am eigenen Körper freuen zu können, sich gesund und kräftig zu fühlen und die Energie zu haben, Ideen und Wünsche umsetzen zu können. Neben all dem kommt für uns der Zusammenhalt noch dazu. Nur gemeinsam kann vieles gelingen, von dem man anfangs nur geträumt hat, oder von dem man anfangs gemeint hat, dies sei nicht zu überwinden. Zusammenhalten, dankbar für die Gesundheit zu sein und gut auf sich selbst und seine Familie und Freunde zu achten, sowie Glück und Freude mit anderen teilen zu können, das ist es wohl, was das Leben so bunt und lebenswert für uns macht.

Mehr Informationen über den Verein „Perspektive für Kinder“ erfahrt ihr hier:

www.perspektivefuerkinder.at

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